Warum ich Kleinverlage liebe

für Lisette Buchholz

Reihe: 

Physical description: 

virtuell

Type: 

Publishing date: 

20/03/2013

Edition: 

Erstauflage

Publisher: 

HR

Published in: 

http://hazel.rosenstrauch.com/published-medium/fliegende-schildkröte

Laudatio auf Lisette Buchholz anlässlich der Verleihung des Baden-Württembergischen Landespreises für literarisch ambitionierte kleinere Verlage

Warum ich Kleinverlage liebe. Aus Anlass der Verleihung des Baden-Württembergischen Landespreises für literarisch ambitionierte kleinere Verlage an den persona-verlag. Ich beginne, wie es sich unter Büchermenschen gehört, mit zwei Zitaten. *) Das erste ist aus dem Jahr 1785: „Sie [die Verleger]...

Buchempfehlungen: 2 x Russland

Robert Neumann, Die Puppen von Poshansk. Milena-Verlag, Wien 2012, Dieses erstmals 1952 erschienene Buch des aus Österreich nach England geflohenen Satirikers ist eines der ersten, das sich mit den Gulags im eisigen Norder der Sowjetunion auseinandersetzt. Dabei gehört Neumann weder zu den Kommunistenfressern, die beschönigen, noch zu den Linken, die verteidigen oder die Lage gesundreden. Vieles ist absurd, es hat damals auch viel Mut gekostet, so über Stalin und das Vaterland aller Werktätigen zu schreiben, ohne die Kalten Krieger zu bedienen. Also einerseits ein Zeitdokument, andrerseits...

Ist "Halb-Jude" politisch korrekt?

Gestern, bei einer Veranstaltung voll aufgeklärter Leute, erzählte eine Dame von ihrem Projekt über einen "Halb-Juden". Ich intervenierte, sagte, das sei ein Nazi-Ausdruck. Sie fragte, wegwerfend, was soll man denn sonst sagen. Den arroganten Blick werde ich in Erinnerung behalten. Gibt es auch noch Viertel- und Achteljuden? Ich muss mal die philosemitische Literatur daraufhin durchsehen. Wahrscheinlich bin ich wieder, wie eine Freundin zu sagen pflegt, "zu empfindlich". Aber wenn wir nicht mehr von Negern und gelbe Gefahr reden dürfen, sollte man bitte schön auch diesen Ausdruck vermeiden...

Zukunft der Erinnerung

Date: 

29.04.2013 - 19:00
Am Montag, 29. April um 19 Uhr halte ich in Kasssel im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit in Kooperation mit der Volkshochschule Kassel einen Vortrag zum Thema: Gedenken, Erinnern, Vergessen – Überprüfen, Sortieren, Erneuern "Es ist kein Geheimnis, dass sich das Gedenken leicht in sinnentleerte Rituale verwandelt. Der Unmut junger oder auch nicht so junger Leute unterschiedlicher Herkunft, die oft bis zum Überdruss mit Nazi-Geschichten gefüttert wurden, ist verständlich. Pathos, Rituale und der Appell an Schuldgefühle provozieren tendenziell Abwehr. Bevor neue Entwürfe auf Fahnen geschrieben...

Neger, politisch korrekt

Bei uns in Wien hießen die Negerküsse Schwedenbomben, ob das eine Diskriminierung war, weiss ich nicht. Und in Wien habe ich oft erlebt, dass manchmal der Ton oder ein Buchstabe den Unterschied ausmacht: "Bist a Jud?" Oder "Bist Du Jude" sind zwei völlig verschiedene Aussagen. Wenn man alle LIteratur rückwärts retuschieren will, ich denke dabei auch an die Herabwürdigung von Frauen, bliebe wohl vieles nicht oder nicht vieles übrig. Es kommt wie immer auf den Kontext an. Heute hörte ich eine Sendung, in der darüber diskutiert wurde, ob man abends am Bettrand beim Vorlesen von Astrid Lindgren-...

Wie ich lernte, was akademische Hierarchie bedeutet

Anfang der 1970er Jahre unterrichtete ich gemeinsam mit einem Kollegen an der Volkshochschule Schöneberg "Deutsch fdür Türken". Damals gab es noch keine Lehrbücher, geschweige denn eine Ausbildung, wir entwickelten das gemeinsam mit den durchaus interessierten  "Gastarbeitern", auch "Gastarbeiterinnen". Dann gab es eine Ausschreibung für die Entwicklung von Lehrmaterial. Wir reichten ein. Man brauchte aber die Unterschrift eines Professors (war wohl als Qualitätssicherung gemeint). Wir gewannen den 1. Preis. Der Prof. machte das dann, aber ohne uns.

wie ich Selbständigkeit verstehen lernte

Auch in Kanada, 1960er Jahre, ich hatte zwei Ferunde, mit denen man Pferde stehlen konnte. Frank, der mir sehr geholfen hatte, arbeitete in einer Firma, die nachts Büros und Fabriken putzte. Der Chef hatte ihn beleidigt, es gab grossen Krach, Frank kündigte. Da bot ihm der Chef an, er könne sich selbständig machen. Die Selbständigkeit bestand darin, dass er ein eigenes Scheckbuch bekam und auf eigene Rechnung putzen durfte. Von Stund an hatte er keine Zeit mehr, war "wichtig", arbeitete doppelt und dreimal soviel, nahm sich eine bessere Wohnung.

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