Ist "Halb-Jude" politisch korrekt?

Gestern, bei einer Veranstaltung voll aufgeklärter Leute, erzählte eine Dame von ihrem Projekt über einen "Halb-Juden". Ich intervenierte, sagte, das sei ein Nazi-Ausdruck. Sie fragte, wegwerfend, was soll man denn sonst sagen. Den arroganten Blick werde ich in Erinnerung behalten. Gibt es auch noch Viertel- und Achteljuden? Ich muss mal die philosemitische Literatur daraufhin durchsehen. Wahrscheinlich bin ich wieder, wie eine Freundin zu sagen pflegt, "zu empfindlich". Aber wenn wir nicht mehr von Negern und gelbe Gefahr reden dürfen, sollte man bitte schön auch diesen Ausdruck vermeiden...

Zukunft der Erinnerung

Date: 

29.04.2013 - 19:00
Am Montag, 29. April um 19 Uhr halte ich in Kasssel im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit in Kooperation mit der Volkshochschule Kassel einen Vortrag zum Thema: Gedenken, Erinnern, Vergessen – Überprüfen, Sortieren, Erneuern "Es ist kein Geheimnis, dass sich das Gedenken leicht in sinnentleerte Rituale verwandelt. Der Unmut junger oder auch nicht so junger Leute unterschiedlicher Herkunft, die oft bis zum Überdruss mit Nazi-Geschichten gefüttert wurden, ist verständlich. Pathos, Rituale und der Appell an Schuldgefühle provozieren tendenziell Abwehr. Bevor neue Entwürfe auf Fahnen geschrieben...

Neger, politisch korrekt

Bei uns in Wien hießen die Negerküsse Schwedenbomben, ob das eine Diskriminierung war, weiss ich nicht. Und in Wien habe ich oft erlebt, dass manchmal der Ton oder ein Buchstabe den Unterschied ausmacht: "Bist a Jud?" Oder "Bist Du Jude" sind zwei völlig verschiedene Aussagen. Wenn man alle LIteratur rückwärts retuschieren will, ich denke dabei auch an die Herabwürdigung von Frauen, bliebe wohl vieles nicht oder nicht vieles übrig. Es kommt wie immer auf den Kontext an. Heute hörte ich eine Sendung, in der darüber diskutiert wurde, ob man abends am Bettrand beim Vorlesen von Astrid Lindgren-...

Wie ich lernte, was akademische Hierarchie bedeutet

Anfang der 1970er Jahre unterrichtete ich gemeinsam mit einem Kollegen an der Volkshochschule Schöneberg "Deutsch fdür Türken". Damals gab es noch keine Lehrbücher, geschweige denn eine Ausbildung, wir entwickelten das gemeinsam mit den durchaus interessierten  "Gastarbeitern", auch "Gastarbeiterinnen". Dann gab es eine Ausschreibung für die Entwicklung von Lehrmaterial. Wir reichten ein. Man brauchte aber die Unterschrift eines Professors (war wohl als Qualitätssicherung gemeint). Wir gewannen den 1. Preis. Der Prof. machte das dann, aber ohne uns.

wie ich Selbständigkeit verstehen lernte

Auch in Kanada, 1960er Jahre, ich hatte zwei Ferunde, mit denen man Pferde stehlen konnte. Frank, der mir sehr geholfen hatte, arbeitete in einer Firma, die nachts Büros und Fabriken putzte. Der Chef hatte ihn beleidigt, es gab grossen Krach, Frank kündigte. Da bot ihm der Chef an, er könne sich selbständig machen. Die Selbständigkeit bestand darin, dass er ein eigenes Scheckbuch bekam und auf eigene Rechnung putzen durfte. Von Stund an hatte er keine Zeit mehr, war "wichtig", arbeitete doppelt und dreimal soviel, nahm sich eine bessere Wohnung.

Wie ich lernte, wozu Schönheit gut ist

In Kanada, ich war erst kurz in der Canadian Imperial Bank of Commerce angestellt, wurde ich auf einen Kurs zur Weiterbildung geschickt. Es ging nicht, wie ich erwartet hatte, um Bankwesen oder Buchhaltung, sondern wir, der Nachwuchs, lauter junge Frauen, kamen in einen Kosmetiksalon. Uns wurde vorgeführt, wie man sich schminkt, kleidet, frisiert. Als ich sagte "I can't see, why I should do this, I think I am beautiful enough" war das ein grosser Skandal. "Ir you don't want to improve yourself, we can't help you".

Wie ich lernte, was liberal ist

Meine ersten journalistischen Sporen verdiente ich mir bei einer Wirtschaftszeitschrift. Mein Zahnarzt hatte mich an seinen Kunden vermittelt. Der war bekannt als konservativ, fand es aber lustig, so eine kleine Rote zu engagieren. Ich war eine Art Praktikantin, bekam aber auch (wenig) Geld und wurde zu den Pressekonferenzen geschickt, bei denen es was zu essen gab. Nach zwei Monaten durfte ich erstmals für einen eigenen Artikel recherchieren. Es ging um ausländische Studenten (so sagte mandamals und Frauen waren ohnehin nicht dabei). Man denke, das war Mitte der 1960er Jahre.

Pages

Subscribe to Hazel Rosenstrauch RSS