Kurz-Geschichte

Tätigkeiten

In  jungen Jahren habe ich (nach einer kurzen Zeit als Sekretärin und Bankangestellte) arbeitslose Jugendliche und analphabetische Türken unterrichtet, meine ersten journalistischen Sporen im Kursbuch, bei Konkret, Spontan und twen und im Bayerischen Rundfunk verdient, später auch für den Südwestfunk, beim Schwäbischen Tagblatt, bei der taz, für den Österreichischen Rundfunk, die Wiener AZ und die Presse, den Freitag und andere Blätter gearbeitet, ich habe in Sammelbänden und Zeitschriften über Weibliches und Jüdisches, Wien und Landflucht, über Buchhandelsgeschichte, Wissenschaftsvermittlung und die Zeit um 1800 publiziert .

Da mich die im deutschen Sprachraum wenig bebauten Felder zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, zwischen Fachsprache und Literatur, zwischen ernster und trivialer Kultur interessieren, habe ich mich sowohl praktisch wie theoretisch mit diesem Zwischen auseinandergesetzt. Ich war abwechselnd und nebeneinander in wissenschaftlichen Institutionen, in Redaktionen und Verlagen tätig – als Forschende, Lehrende, als Journalistin, Redakteurin, Lektorin und Autorin.

In den Wiener Jahren und besonders 1989 ff. habe ich mich in Vorträgen, Aufsätzen, Begegnungen viel mit der Frage beschäftigt, was Kultur zur Verständigung zwischen den verschiedenen Ländern im Osten und im Westen, im Norden und im Süden und dazwischen beitragen kann. Rahmen dafür waren Treffen der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn, der Felix-Meritis-Foundation Amsterdam, Amsterdamer Summer-University, IFA = Institut für Auslandsbeziehungen, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Literaturhaus Wien und Literaturhaus Mattersburg sowie Diskussionsfestivitäten in Prag, Budapest, Szombathely, in Nishni Nowgorod und Talin.

Ich war akademisch tätig u.a. als Assistentin im Bereich Kultursoziologie am Soziologischen Institut der Freien Universität Berlin (1982-1987) und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozioökonomie der Österr. Akademie der Wissenschaften und hatte Lehraufträge in mehreren Fächern. In der Wissenschaft lag mein Schwerpunkt auf der Entwicklung einer bürgerlichen Öffentlichkeit, literarisch hat mich die Geselligkeit zwischen Aufklärung und Romantik besonders interessiert. Im Unterricht an verschiedenen Instituten habe ich mich vorwiegend darum bemüht, den Studierenden das Schreiben, Reden und Recherchieren beizubringen, in letzter Zeit hat sich die Vermittlung von Wissenschaft(en) in den Vordergrund gedrängt.

Orte meiner Lehre und Forschung: Rhetorisches Seminar der Universität Tübingen, Institut für Empirische Kulturwissen­schaften Tübingen, Institut für Soziologie der FU Berlin, Institut für Geschichte der Universität Wien, Institut für Zeitgeschichte ebd, Institut für Vergleichende Literaturwissenschaften ebd. Forschungsstelle für Sozioökonomie der Akademie der Wissenschaften, Wien, Amsterdam Summer-University; Institut für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität Berlin.

Das Interesse für die Arbeit an Sprache und mit Wissenschaft (trotz ihrer meist grauslichen Ausdrucksweisen) konnte ich – manchmal – essayistisch verbinden, und auch ich machte die Erfahrung, dass man nicht als Wissenschaftlerin gilt, sobald frau sich verständlich ausdrückt. Insofern war es ein Glücksfall, als ich die Möglichkeit bekam, eine Zeitschriftfür und zusammen mit anerkannten Wissenschaftlern zu entwerfen und zu leiten, in der sich verschiedene Disziplinen um Öffnung und Verstehbarkeit bemühten. Ergebnis = die Hefte 1- 14 der Gegenworte. Als Maskottchen der Zeitschrift diente die Fliegende Schildkröte, testudo volans. Ich konnte ausprobieren, ob das geht: differenziert und verständlich, anregend und quer über die Disziplinen kommunizieren. Als man mich in die PR-Abteilung transferieren wollte, gab ichs auf.

Spuren

Ich habe Studierende verführt, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, ein paar Bücher geschrieben, Rundfunk und Zeitschriften beliefert, habe an Ausstellungen, in Arbeitskreisen und in vielen Diskussionen mitgewirkt, wobei es meist um Integration ging – um die Integration verschiedener Kulturen, in Europa, innerhalb Deutschlands und Österreichs oder in der Welt und auch um die Zusammenführung verschiedener Kulturen wie Wissenschaft – Literatur – Öffentlichkeit – Kultur- und Naturwissenschaft und Fachsprachen mit Alltagssprache …

Mein letztes größeres Projekt war die Mitbegründung und fast zehnjährige Leitung der Gegenworte. Hefte für den Disput über Wissen, hg. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Seit ich aus der Akademie der Wissenschaften gegangen bin, besuche ich regelmässig Clownskurse.

Ich habe einen Schönheitssalon für empfindliche Texte gegründet, in dem ich Pickel und Falten in anderer Leute Texten bereinige.

Ab  April 2007 habe ich in der Hauptsache an dem Buch Wahlverwandt und ebenbürtig. Caroline und Wilhelm von Humboldt” gearbeitet. Es ist im Mai 2009 in der Anderen Bibliothek des Eichborn-Verlags erschienen, schon im Juni in einer zweiten Auflage und hat erstaunlich gute Rezensionen bekommen. Im Oktober erschien die 3. Auflage, kurz vor Weihnachten die Lizenzausgabe der Büchergilde Gutenberg.

Im August 2010 ist jenes Buch erschienen, um das mich meine Freundin und treue Verlegerin Lisette Buchholz = persona-Verlag seit Jahren gebeten hat:  JUDEN NARREN DEUTSCHE. Sie hat mich jahrelang gedrängt, die verstreuten Aufsätze zum Thema Jüdisches in deutschen Landen zusammenzutragen und als ich mich daransetzte, ist noch einmal soviel Text wie wir beisammen hatten aus meinem Kopf geplumpst.

Im Sommer 2012 erschien das Buch: Karl Huss, der empfindsame Henker. Eine böhmische Miniatur.  Es spielt wieder in der Zeit um 1800, thematisiert Rollenzuschreibungen und die vielen politischen und mentalen Umbrüche und die Eroberung individueller Freiheiten. Neben dem Henker spielt Clemens von Metternich eine prominente Rolle. Das Buch ist im Verlag Matthes & Seitz, Berlin, erschienen.

2013 erschien ein hübsches kleines Bändchen: Eitelkeit. Ein spärlicher Name für einen überquellenden Inhalt. Vorausgegangen war ein Vortrag zu dem Thema, in dem ich jungen Leuten versucht habe zu erzählen, was ich unter Kulturpublizistik verstehe und wie ich mich einem so amorphen Thema essayistisch annähere.

Im Herbst 2014 erschien Congress mit Damen. Europa zu Gast in Wien 1814/1815, soweit ich sehe, bislang das einzig schmale Buch unter vielen Veröffentlichungen zum Wiener Kongress. Neben den hervorgehobenen interessanten, mitmischenden Frauen speieln einige alte Bekannte mit - Wilhelm von Humboldt, Karl August von Varnhagen, Dorothea Schlegel ... über die ich in früheren Büchern geschrieben habe. Erschienen im Czernin-Verlag, Wien.

Im Wintersemester 2014/2015 war ich Gastprofessorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Dazwischen, daneben, davor halte ich Vorträge zu den in diesen Büchern erarbeiteten Themen oder nehme an Veranstaltungen teil, organisiere, belehre und mach mir immer noch Gedanken ....

Preise:

Meine Schwester behauptet ja, die ersten Preise hätte ich schon mit acht oder neun Jahren bekommen, ich erinnere mich an einen Preis der Österreichischen Wirtschaftskammer, am Ende meiner Schulzeit in der Wiener Handelsakademie. Das ist doch alles sehr lange her. Aber inzwischen und vor allem in Österreich, habe ich "gewonnen":

1999 ORF-Essay Preis (den 2.)

2012 Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik

2015 Theodor-Kramer Preis