Vita
Kurzform: geboren in London, aufgewachsen in Wien, mit 18 versuchte ich erst in die USA, dann nach Kanada auszuwandern und landete in Deutschland, wo ich studierte und immer noch bzw. wieder lebe.
Wohnorte: Berlin, München, Köln, Tübingen, zwischendurch wieder Wien, seit 1997 lebe ich wieder in Berlin.
Arbeit als Journalistin, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Redakteurin, Lektorin, Autorin, teils angestellt, teils freiberuflich.
Ich habe einen alleinerzogenen Sohn, der mir diese Website gemacht hat.
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Ausbildung
Volksschule im 21. Bezirk in Wien, Realgymnasium in der legendären Stubenbastei. Danach Handelsakademie und weil das für ein Studium nicht reichte, Matura bei der Exsternistenreifeprüfungskommission in Wien. Studium der Germanistik, Philosophie und Soziologie an der Freien Universität Berlin. Magisterarbeit über ‚Die Rolle der Gartenlaube für die Konzeption und Verbreitung von Marlitts Romanen. Studie zur Trivialliteratur‘ (Betreuer Prof. Eberhard Lämmert).
Promotion (Dr. rer. soc.) am Institut für Empirische Kulturwissenschaften, Universität Tübingen: Buchhandelsmanufaktur und Aufklärung. Die Reformen des Buchhändlers Philipp Erasmus Reich (1717–1787). Sozialgeschichtliche Studie zur Entwicklung des literarischen Markts’ (Betreuer Prof. Hermann Bausinger).
Zur Ausbildung gehört, dass ich Mitte der 60er Jahre kopfüber in die Studentenbewegung gefallen bin. Mich haben das Antiautoritäre und die radikale Veränderung der Umgangsformen, die stundenlangen Diskussionen am Mensatisch und das Ausmisten der Germanistik-Bibliothek (Nazischrifttum!) nachhaltig beeinflußt. Lernen und Leben, die Freundschaften mit Hippies und Marxisten, die Dinge/Texte/Wahrheiten umdrehen und Experimentieren wirken bis heute nach. An K-Gruppen und dgl. hab ich nicht mitgemacht, das kannte ich schon aus meiner Jugend. Ein kleines privates Jurastudium konnte ich absolvieren, weil ich jahrelang in einen Prozess gegen den ehemaligen Polizeipräsidenten Duensing verwickelt war — wegen Rechtswidrigkeit des Polizeieinsatzes am 2. Juni 1967, ich hab den Prozess gewonnen. Frauenbewegung, die Gründung von neuen Zeitschriften und Kleinverlagen, der deutsche Herbst und einige unglückliche Liebesgeschichten gehören zu meiner Schule des Lebens.
Tätigkeiten
In jungen Jahren habe ich (nach einer kurzen Zeit als Sekretärin und Bankangestellte) arbeitslose Jugendliche und analphabetische Türken unterrichtet, meine ersten journalistischen Sporen im Kursbuch, bei Konkret, Spontan und twen und im Bayerischen Rundfunk verdient, später auch für den Südwestfunk, beim Schwäbischen Tagblatt, bei der taz, für den Österreichischen Rundfunk, die Wiener AZ und die Presse, den Freitag und andere Blätter gearbeitet, ich habe in Sammelbänden und Zeitschriften über Weibliches und Jüdisches, Wien und Landflucht, über Buchhandelsgeschichte, Wissenschaftsvermittlung und die Zeit um 1800 publiziert .
Da mich die im deutschen Sprachraum wenig bebauten Felder zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, zwischen Fachsprache und Literatur, zwischen ernster und trivialer Kultur interessieren, habe ich mich sowohl praktisch wie theoretisch mit diesem Zwischen auseinandergesetzt. Ich war abwechselnd und nebeneinander in wissenschaftlichen Institutionen, in Redaktionen und Verlagen tätig – als Forschende, Lehrende, als Journalistin, Redakteurin, Lektorin und Autorin.
In den Wiener Jahren und besonders 1989 ff. habe ich mich in Vorträgen, Aufsätzen, Begegnungen viel mit der Frage beschäftigt, was Kultur zur Verständigung zwischen den verschiedenen Ländern im Osten und im Westen, im Norden und im Süden und dazwischen beitragen kann. Rahmen dafür waren Treffen der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn, der Felix-Meritis-Foundation Amsterdam, Amsterdamer Summer-University, IFA = Institut für Auslandsbeziehungen, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Literaturhaus Wien und Literaturhaus Mattersburg sowie Diskussionsfestivitäten in Prag, Budapest, Szombathely, in Nishni Nowgorod und Talin.
Ich war akademisch tätig u.a. als Assistentin im Bereich Kultursoziologie am Soziologischen Institut der Freien Universität Berlin (1982–1987) und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozioökonomie der Österr. Akademie der Wissenschaften und hatte Lehraufträge in mehreren Fächern. In der Wissenschaft lag mein Schwerpunkt auf der Entwicklung einer bürgerlichen Öffentlichkeit, literarisch hat mich die Geselligkeit zwischen Aufklärung und Romantik besonders interessiert. Im Unterricht an verschiedenen Instituten habe ich mich vorwiegend darum bemüht, den Studierenden das Schreiben, Reden und Recherchieren beizubringen, in letzter Zeit hat sich die Vermittlung von Wissenschaft(en) in den Vordergrund gedrängt.
Orte meiner Lehre und Forschung: Rhetorisches Seminar der Universität Tübingen, Institut für Empirische Kulturwissenschaften Tübingen, Institut für Soziologie der FU Berlin, Institut für Geschichte der Universität Wien, Institut für Zeitgeschichte ebd, Institut für Vergleichende Literaturwissenschaften ebd. Forschungsstelle für Sozioökonomie der Akademie der Wissenschaften, Wien, Amsterdam Summer-University; Institut für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität Berlin.
Das Interesse für die Arbeit an Sprache und mit Wissenschaft (trotz ihrer meist grauslichen Ausdrucksweisen) konnte ich — manchmal — essayistisch verbinden, und auch ich machte die Erfahrung, dass man nicht als Wissenschaftlerin gilt,sobald frau sich verständlich ausdrückt. Insofern war es ein Glücksfall, als ich die Möglichkeit bekam, eine Zeitschriftfür und zusammen mit anerkannten Wissenschaftlern zu entwerfen und zu leiten, in der sich verschiedene Disziplinen um Öffnung und Verstehbarkeit bemühten. Ergebnis = die Hefte 1– 14 der Gegenworte. Als Maskottchen der Zeitschrift diente die Fliegende Schildkröte, testudo volans. Ich konnte ausprobieren, ob das geht: differenziert und verständlich, anregend und quer über die Disziplinen kommunizieren. Als man mich in die PR-Abteilung transferieren wollte, gab ichs auf.
Spuren
Ich habe Studierende verführt, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, ein paar Bücher geschrieben, Rundfunk und Zeitschriften beliefert, habe an Ausstellungen, in Arbeitskreisen und in vielen Diskussionen mitgewirkt, wobei es meist um Integration ging — um die Integration verschiedener Kulturen, in Europa, innerhalb Deutschlands und Österreichs oder in der Welt und auch um die Zusammenführung verschiedener Kulturen wie Wissenschaft — Literatur — Öffentlichkeit — Kultur– und Naturwissenschaft und Fachsprachen mit Alltagssprache …
Mein letztes größeres Projekt war die Mitbegründung und fast zehnjährige Leitung der Gegenworte. Hefte für den Disput über Wissen, hg. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; mein vorletztes Buch hieß Varnhagen und die Kunst des geselligen Lebens. Eine Jugend um 1800.
Ich habe einen Schönheitssalon für empfindliche Texte gegründet, in dem ich Pickel und Falten in anderer Leute Texten bereinige.
Ab April 2007 habe ich in der Hauptsache an dem Buch “Wahlverwandt und ebenbürtig. Caroline und Wilhelm von Humboldt” gearbeitet. Es ist im Mai 2009 in der Anderen Bibliothek des Eichborn-Verlags erschienen, schon im Juni in einer zweiten Auflage und hat erstaunlich gute Rezensionen bekommen. Im Oktober erschien die 3. Auflage, kurz vor Weihnachten die Lizenzausgabe der Büchergilde Gutenberg.
Seither stehe ich wieder am Markte, schreibe, redigiere und unterrichte je nach Bedarf.und Nachfrage.
