Iris Berben liest Manja

 

Es ist eines dieser mittelgroßen Wunder. 1984 eröffnete die wagemutige Kleinst- und Alleinverlegerin Lisette Buchholz ihr Programm mit einem Roman, den eine hierzulande „weitgehend“ unbekannte Autorin im englischen Exil verfasst hatte. Das Buch war 1938 bei Querido in Amsterdam erschienen. Für Menschen dieses Jahrhunderts, denen der zweite Weltkrieg so fern ist (über den ersten sind wir alle in diesem Jahr gründlich informiert worden): bei Querido in Amsterdam erschienen Bücher, die in Deutschland nicht erscheinen konnten. Erstens, weil sie antifaschistisch und zweitens, wenn sie von Juden verfasst waren. Es gab eine Exilpresse, in der das Buch rezensiert und hochgelobt wurde, es gab ja viele lesende (und schreibende) Deutsche, die aus ihrer „Heimat“ geflohen waren und in der Welt verstreut nach deutschen, Nicht-Nazi-Texten gierten. Innerhalb Deutschlands war es – und blieb es auch nach dem Krieg – unbekannt.

Lisette Buchholz also legte es wieder auf, sie war ein paar Jahre im Ausland gewesen und hatte sich, heimgekehrt, gewundert, wie wenig man auch noch in den 1980er Jahren über das deutschsprachige (auch österreichische) Exil wusste. Exilliteratur wurde zum Schwerpunkt ihres Verlags. Man muss auch daran erinnern, dass vor 30 Jahren weder Juden, noch Kommunisten, Exilanten, Linke und sonstige unteutsche Gemüter kaum ins Kulturleben integriert waren, Exilliteratur war noch ein Spezialgebiet, ein paar Bücher, ein paar Namen, einige kleine Zeitschriften – und die Genossen in der DDR – widmeten sich dem Thema.

Montag, 27. Oktober 2014 gingen wir ins Renaissance-Theater in Berlin. Das Theater war voll. Iris Berben las aus Manja, eben jenem Buch über für Kinder aus unterschiedlichen Milieus, die alle am gleichen Tag gezeugt worden waren und sich befreunden. Iris Berben war hinreißend, trotz Erkältung, ein Moderator stellte ein paar Fragen, sie hat begeistert und differenziert erklärt, weshalb sie dieses Buch so gut und wichtig findet. Das Publikum war begeistert, die Bücherstapel gingen weg wie die berühmten warmen Semmeln.Nach dreißig Jahren ist das Thema, die Kunst und das Verständnis im (breiteren) Publikum angekommen. Dank Iris Berben ... und dank der unermüdlichen Pflege von Lisette Buchholz, die dieses ihr erstes „Kind“ jahrelang gehegt (vier Auflagen gab es bei „persona“!) und jetzt dem Aufbau-Verlag die Lizenz vermacht hat.

Es gibt jetzt eine Neuauflage und eine CD, von der klugen, schönen, aufrechten Schauspielerin Iris Berben gesprochen.

Anna Gmeyner. Manja. Ein Roman um fünf Kinder

ISBN 978-3-351-03415-3; € 19,95

Es gibt aber auch noch die Ausgabe des persona-Verlags, sie kostet zwar € 22,-, auf ihr klebt aber die Patina und das Herzblut der mutigen Verlegerin.

 

 

 

 

 

 

 

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