Frankfurter Buchmesse

Die Luft ist schlecht oder es zieht. Das kulinarische Angebot diesmal ein wenig besser als in früheren Jahren - so man drankommt. Die Lesungen sind ein Härtetest für die Autoren + -innen, weil der Lärmpegel rundherum hoch ist, aber man geht auch nicht dorthin, um zuzuhören.An der jeweiligen Größe der Stände lässt sich gut erkennen, wie weit die Konzentration der Verlage schon gediehen ist, wer zu wem gehört, auch wenn der alte Name des Verlags noch Unabhängigkeit suggeriert. Es gibt dabei viele Varianten, ganz Gekaufte, In-prints, technisch zusammengelegt, programmatisch frei usw. Die weit offene Schere zwischen Reichen und Kleinverlagen ist gut erkennbar.

Kurz vor der Messe wurde bekanntgegeben, dass nun auch Gruner & Jahr von dem Oberriesen Bertelsmann mit Haut und Haaren verschluckt wurde, der ganz große Riese hat sich den etwas kleineren Riesen einverleibt, mit 1000-Meilen Stiefeln rast er quer über Kontinente und merkt nicht, was und wen er dabei zertrampelt. Wie war das nochmal mit der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit? Ich denke an all die Nebengeschäfte, Beratungen der Bundesregierung, Gutachten und personellen Verflechtungen dieses Konzerns (und die Anpassung der öffentlich-rechtlichen "Anstalten"). Aber das war kein Thema. Angesichts der Erpressung durch Amazon und illegaler Downloads erscheint das als Problem des vorigen Jahrhunderts.

Am meisten wundert mich und bewundere ich, wie ausdauernd die Verleger, Lektoren, Standbetreuerinnen, Agentinnen, Lizenzjäger, die Übersetzer und Journalistinnen, Macher und Makler lächeln können und überzeugend so tun, als würden sie aufmerksam schauen oder gar zuhören … und weiter rennen, um nichts zu versäumen. Die Frauen meist propper, Herren erstaunlich oft unrasiert und umfangreich in ihrer Mitte.

Gegen Abend wird zu diversen Happy-hours geladen, der Alkoholpegel steigt, wenn die Messsehallen schließen,geht es bei hierarchisch genau sortierten Empfängen in eng bestuhlten Lokalen weiter. Am Wochenende, wenn für das Publikum geöffnet wird, sind die Akteure bereits erschöpft.

Schön war's. Es gibt noch Leser – und natürlich viel Ramsch und Chi-chi

 

 

 

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