Empfehlung: Enkel im Theater

In der Box des Deutschen Theaters sah ich "Hans Schleif. Eine Spurensuche". Es gibt von Charlotte Salomon das Buch mit dem Titel "Leben oder Theater". Hier geht es um Matthias Neukirchs Versuch, das Leben seines Grossvaters im Theater zu rekonstruieren - oder sollte ich sagen "zu bewältigen"? Bei all meiner Skepsis - dies scheint mir eine neue Qualität, nicht zufällig von einem Enkel. Weder Betroffenheitskitsch noch Schuldgefühle, sondern eine so rationale wie emotionale Auseinandersetzung, er sucht, will wissen, trägt Informationen zusammen und stellt Fragen. Es gibt nur wenige Plätze, man sitzt an Tischen, als wäre es ein Seminar, die Stimmung ist hoch konzentriert. Und das Material - versichert der Regisseur Julian Klein - ist ohne jede Hinzufügung aus dem Leben gegriffen, dem des Schauspielers, der in Archiven forscht, die Mutter und den Sohn eines "Kameraden" anruft und mit sparsamen Mitteln und heftigem schauspielerischen Einsatz den Fall vorträgt: Nicht nur, was der Großvater, der nachweislich in der SS war, getan und gewusst hat, sondern auch wie er nach dem Krieg reingewaschen wurde, wie die Tochter - Neukirchs Mutter - das Vaterbild zu erhalten versucht, was die einzelnen Institutionen und Weisswäscher beitrugen, um ihre Rente zu sichern.

Ein Beitrag zum Thema "Zukunft der Erinnerung". Spielt einmal im Monat im Deutschen Theater, Schumannstrasse 13a in 10117 Berlin (www.deutschestheater.de)

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