Eitelkeit

Es gibt immer wieder Gelegenheiten, bei denen ich mich frage, ob das Thema Eitelkeit schon ausreichend erforscht ist. Heute fand ich ein schönes Zitat, das mich viel mehr befriedigt, als soziologisch-anthropologische Arbeiten es tun könnten:

"Da nun für schöne Männer, deren Spezialität drin besteht, daß sie schöne Männer sind, die Schmeichelei ein großes Bedürfnis ist und es ihnen dabei gleichgültig ist, ob der Weihrauch aus einem rosichten oder welken Munde kommt, wenn er nur stark und reichlich hervorquillt, so begreift man, wie mein teurer Vater, ohne eben darauf spekuliert zu haben, dennoch in seinem Verkehr mit den alten Damen ein gutes Geschäft machte.
Es ist unbegreiflich, wie groß oft die Dosis Weihrauch war, mit welcher sie ihn eindampften, und wie gut er die stärkste Portion vertragen konnte. Das war sein glückliches Temperament, durchaus nicht Einfalt. Er wußte sehr wohl, daß man ihm schmeichle, aber er wußte auch, daß Schmeichelei, wie Zucker, immer süß ist, und er war wie das Kind, welches zu der Mutter sagt: Schmeichle mir ein bißchen, sogar ein bißchen zuviel."


... schrieb Heinrich Heine vor knapp 200 Jahren in seinen Memoiren 

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