Walter Boehlich ist endlich nachlesbar

Die Biographie eines Autors ist sein Werk, nicht die menschelnde Aufdeckung unzensierter Gefühle. Daran haben sich die Herausgeber des Bandes "Walter Boehlich. Die Antwort ist das Unglück der Frage" gehalten. Der Band stellt den Literaturkritiker, Lektor, Übersetzer und Polemiker in dreizehn Kapiteln vor, die nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet sind, und auf diese Weise die Geschichte der Bundesrepublik mit der ihres Kommentators verzahnen.

1921 geboren und 2006 gestorben hat Boehlich die deutsche und die europäische Literatur, Germanistik und Verlagswesen, vor allem aber die Entwicklung und die Rückfälle Deutschlands vom 19. Jahrhundert bis in seine Gegenwart scharf beobachtet.

Boehlich war streng und genau, "ein leidenschaftlicher Büchermensch ... eine Schlüsselfigur der Geistesgeschichte Nachkriegsdeutschlands" wie es im Klappentext heißt. Er war, als Essayist, Übersetzer, Rezensent, auch als Briefeschreiber oder Verfasser von Glossen, der sich immer wieder eingemischt hat, Autorität und Maßstab für viele Intellektuelle, als es sie noch gab: Hochgebildet, scharf in seinen Urteilen, übergenau, wenn er einen Text oder eine Übersetzung auseinander nahm. Als Person hat sich Boehlich eher zurückgenommen, er steckt in seinen Aufsätzen, die einen bewunderswert breiten Themenkatalog umspannen und von den 1950er Jahren bis zum Anfang des neuen Jahrtausends reichen. Wer nach Werten oder Vorbildern sucht, dem sei dieser Band empfohlen, der Porträt, Standpunkte und herrlich viele Anmerkungen über diesen Ausnahme-Deutschen enthält. (verfaßt für DLR-Kultur)

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