Hotel Lux

Nach 33 Jahren wieder nachlesbar:

Ruth von Mayenburg, Hotel Lux. Die Menschenfalle, Eine Reise - ein Film von Heinrich Breloer. Elisabeth Sandmann-Verlag, 2011

Das Buch ist 1978 erstmals erschienen und war lange vergriffen. Da gab es noch einen eisernen Vorhang, die strengen Grenzziehungen waren nicht nur geographischer, sondern vor allem ideologischer Natur und der kalte Krieg war noch ziemlich kalt. Der aktuelle Anlass für die Neuauflage ist ein Film über Herbert Wehner, der im Lux gewohnt hat, als er noch Kommunist war. Ein Vorspann und Nachwort stellen den Bezug zu dem Script her.

 Inzwischen weiß man viel mehr über die Verhaftungen, Folterungen, Deportationen und Erschießungen unter Stalin; die Archive sind zugänglich und wer sich dafür interessiert, weiß auch, dass die Säuberungen im Lux, diesem "Absteigquartier der Weltrevolution" nur die Spitze eines sehr großen Bergs war. Ruth von Mayenburg, Jjhrgang 1907, sie ist 1993 gestorben, ist gutbürgerlich aufgewachsen und wie viele Nazigegner Anfang der 1930er Jahre Kommunistin geworden, war als Spionin und zuletzt im Rang eines Oberst für die Sowjetunion aktiv. Sie schreibt über die privilegierten und weniger privilegierten Angehörigen der Kommunistischen Internationale und fängt in dem überschaubaren Kosmos die Tragik der russischen Revolution ein, hellsichtig und doch nie geifernd. Zu den Bewohnern dieses Hotels gehörten von den Nazis verfolgte Genossen, einschließlich künftiger Präsidenten der sozialistischen Länder, Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck wohnten im Lux, sowie Togliatti, Dimitroff, Tito oder Tschou en Lai, um nur die prominentesten zu nennen. Viele Luxurianer sind vergessen und werden in Anmerkungen ins Gedächtnis zurückgerufen, einige haben Selbstmord begangen, bevor der sowjetische Geheimdienst an ihrer Tür klopfte, von anderen weiß man nicht, wo sie verschwunden sind. Der Verrat an den eigenen Leuten, den treuen, gläubigen Genossen, liest sich wie eine antike Tragödie, man spürt noch in dem Bericht das Unberechenbare und Irrationale des Terrors, der vor knapp 90 Jahren die klügsten und treuesten Genossen im Griff hatte. Neben den Revolutionären wohnten die Ratten und Wanzen in dem Hotel und wenn Mayenburg immer wieder auf diese Flur- und Bettgenossen verweist, ist das mehr als eine Metapher. Sie blieben, wie die desillusionierte Kämpferin schreibt, die Sieger über das, "blutrünstigste, das hinterfotzigste aller Tiere": den Menschen.

 

 

 

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