Buchempfehlungen: 2 x Russland

Robert Neumann, Die Puppen von Poshansk. Milena-Verlag, Wien 2012, Dieses erstmals 1952 erschienene Buch des aus Österreich nach England geflohenen Satirikers ist eines der ersten, das sich mit den Gulags im eisigen Norder der Sowjetunion auseinandersetzt. Dabei gehört Neumann weder zu den Kommunistenfressern, die beschönigen, noch zu den Linken, die verteidigen oder die Lage gesundreden. Vieles ist absurd, es hat damals auch viel Mut gekostet, so über Stalin und das Vaterland aller Werktätigen zu schreiben, ohne die Kalten Krieger zu bedienen. Also einerseits ein Zeitdokument, andrerseits ein hochmodernes Experiment, wie kann man, ohne Tremolo und ohne "Helden" über die Lager berichten. Schade, dass der Milena-Verlag keinen Korrekturdurchgang gemacht hat. Sonst empfehlenswert.

Wassili Golowanow, Die Insel oder Rechtfertigung des sinnlosen Reisens, Matthes & Seitz, Berlin 2012. spielt auch im hohen Norden Russlands, ein junger Wissenschaftler fährt auf die Insel Kolgujew, es wird nicht ganz klar, was er sucht, das andere Leben, Grenzüberschreitungen, sich selbst, unberührte Natur ... entsprechend wirr sind die Kapitel angeordnet, keine geschlossene Erzählung, aber die Forschung in eine andere Welt, sowohl innen wie außen, teilt sich energisch mit. Im Anhang auch interessante ethnologische Details, Reflexionen über Naturmythen, die Zerstörungen durch sowjetische Arbeitsorganisation, die Verwirrung, die dieses Leben jenseits der Zivilisation im Kopf des Moskauer Wissenschaftlers anrichtet. Macht reicher.

 

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