LinkedIn - Hilfe, ich habe ein falsches knöpfchen gedrückt

 

Es ist ein Netzwerk, aber ist es auch ein soziales Netzwerk? Oder eine Maschine, die durch meine Mails rast und sich nicht stoppen lässt? Oder ist's ein sozialistisches Manöver, mit dem ein dienstbarer Geist unaufhaltsam all meine Kontakte eingemeindet, registriert und zuordnet wie weiland der Geheimdienst?

Ja, ich habe einen Fehler gemacht: ich habe ein falsches Knöpfchen gedrückt. Seither bekomme ich jeden Tag Mails, nicht nur vom Netzwerk, das ließe sich abschalten, sondern von Freunden und Unfreunden, die mich fragen, was das denn soll, weil sie ständig Anfragen bekommen, ob sie meinem Netzwerk beitreten wollen. Manche fragen, was das überhaupt ist und manche bitten, nicht belästigt zu werden. Einige (wenige) freuen sich, und es ist der einzige Trost, dass ich auch mit einstigen Freunden auf diese Art wieder in Kontakt gekommen bin. Nur wenige, z.B. die Freunde aus den USA, können gleich einordnen, dass es sich um einen einmal in Gang gesetzten Automaten handelt, der sich, wie dazumal der Besen des Zauberlehrlings nicht stoppen lässt. Im Unterschied zu Goethes Zauberlehrling kann mir auch mein Meister, sprich Administrator nicht helfen. Er hat mir immerhin erklärt, wie die Adressaten dieses Zauberbesens weitere Anfragen stoppen können. Stimmt, es gibt diese kleine unscheinbare Zeile ganz am Ende der Nachricht, auf die muss man klicken, dann weiß das Programm, dass es diese Adressen nicht mehr nutzen darf. Die meisten meiner peers sind so alt wie ich, also nicht mit dieser Technik aufgewachsen, zum Teil nur glücklich darüber, dass sie Mails empfangen und verschicken können.

Es gibt, wie bei all diesen Maschinen, eine Leiste, die heißt Hilfe. Dort sind vielleicht 70 (gefühlte tausend) Beispiele aufgeführt, was mache ich wenn ….

Ich habe mich durchgeklickt, naja, wie man das heutzutage macht, die Texte mit meinem Blick gescannt, aber ich schwöre, es ist kein Befehl dabei, mit dem ich die Versendung der Anfragen stoppen kann. Mein falscher Klick liegt mittlerweile über drei Wochen zurück und noch immer bekomme ich diese Benachrichtigungen. Soll ich ganz aussteigen aus LinkedIn? Aber dann müsste ich auch auf die Bekanntmachung meiner Seminare oder Worthilfsdienste verzichten und würde auch einige erwünschte Kontakte verlieren. Sollte ich eine Rundmail verschicken, in der ich mein Bedauern ausdrücke (bis jetzt habe ich differenziert geantwortet, erklärt, mich entschuldigt, geraten, was zu tun ist oder mich auch gefreut, dass ich von diesem und jenem auf die Art wieder was höre). Eine solche Sammelnachricht, in der ich mich auf meinen Fehler berufe, würde all jene kränken, die mir schrieben, sie freuten sich, dass ich an sie gedacht habe. Die Sprache der Programme ist eben noch nicht Allgemeingut, es ist heutzutage so leicht, Automat und Individuum zu verwechseln. Ich will nicht mit allen vernetzt sein, ich will selbst bestimmen (ja, sagt das Hilfeprogramm, dazu sei das Netzwerk da, stimmt aber nicht. Selbst bei der Telekom oder bei einer Doktorarbeit darf man mal einen Fehler machen, es war wirklich nur ein Klick auf die Taste „weiter“, der dazu geführt hat, dass offenbar nicht nur alle jemals von mir genutzten Adressen, sondern auch noch deren Adressen anfragt, ob sie wollen. Was interessiert mich, wer noch mit mir will, ich will nicht, Hilfe!!!! Ich hab genug Freunde und verweigere mich facebook, twitter und den vielen anderen Angeboten, mir die Welt in die Stube zu holen. „Stehe, stehe!/Denn wir haben/Deiner Gaben/Voll gemessen!/Ach, ich merk' es! Wehe, wehe!/Hab ich doch das Wort vergessen!//Ach! Das Wort, worauf am Ende/Er das wird, was er gewesen./Ach! Er läuft und bringt behende./Wärst du doch der alte Besen!/Immer neue Güsse/Bringt er schnell herein,/Ach!und hundert Flüsse/Stürzen auf mich ein.//Nein, nicht länger/Kann ich's lassen;/Will ihn fasssen./Das ist Tücke!/Ach!nun wird mir immer bänger!/Welche Miene!welche Blicke!//O, Du Ausgeburt der Hölle …“

Und weil meinem Administrator noch kein Zauberspruch eingefallen ist, habe ich diesen Blogbeitrag geschrieben. „In die Ecke,/Besen!Besen!/Seid's gewesen.“/

Oder wollte sich jetzt noch jemand mit mir verknüpfen?

 

Vielleicht hilft's?

 

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