Chodorkowski, Ernst Keil +Georg Hermann

Vor 155 Jahren, nachdem die 1848er Revolution niedergeschlagen worden war, landeten viele Demokraten, Liberale oder Leute, die von Neidern denunziert wurden, in den Gefängnissen. Ein Sympathisant der Revolution war Ernst Keil, der sich in seiner Jugend für alles Revolutionäre erwärmt hatte und 1845 ein Verlagsunternehmen gründete. Er gab die Zeitschrift "Der Leuchtturm" heraus, die wegen der Verfolgungen oft umbenannt wurde, schrieb Artikel und Pamphlete und musste mehrmals den Verlagsort wechseln, weil seine Blätter verboten wurden. Er war Chronist der Ereignisse in Frankfurt und trat u.a. für ein souveränes Parlament ein. 1852 wurde er unter dem Vorwand des "Pressevergehens" auf der Hubertusburg gefangen gesetzt. Er wurde vorzeitig aus der Haft entlassen, nachdem er versprochen hatte, dass er künftig keine politischen Blätter mehr gründen würde. Nach 10 Jahren erfolgloser Opposition und den Erfahrungen in der Haft gründet er die "Gartenlaube" und nennt es "ein Blatt fürs Haus und die Familie". Was nicht heißt, dass er seine Ziele aus den Augen verloren hatte, es war der Versuch, sich den Realitäten anzupassen und seine Ziele mit anderen Mitteln zu erreichen. Die Zeitschrift sollte Schule sein und das Volk zu nationalem Selbstbewußtsein und politischer Verantwortung "hinauferziehen".

Daran dachte ich, als ich von der Freilassung Michael Chodorowskis hörte.

Ein weiterer Grund, daran zu denken, war der Bericht in der Rhein-Neckar-Zeitung, dass ein Gymnasium in Neckargmünd sich nicht nach Georg Hermann benennen mochte, den könne man den Schülern nicht zumuten. Und um diesen wichtigen und leider weitgehend vergessenen deutschen Schriftsteller abzuwerten, wird u.a. die Behauptung aufgestellt, er habe in der Gartenlaube veröffentlicht. Es ist ein trauriges Zeugnis für den Schulleiter, der sich auf die Deutschlehrer seiner Schule beruft, dass er weder die Arbeiten Georg Hermanns, noch die Gartenlaube (in der ja auch Fontane veröffentlicht hat) kennt. (S. Christoph Moll, Rhein-Neckar-Zeitung vom10.12.2013

 

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