Rezension von Ingrid Mylo Glanz und Elend, eine Literturzeitschrift im Netz

"Verstellung, Tücke, Argwohn, Betrug": Wilhelm von Humboldt hatte eine hübsche Meinung von sich. Oder wollte, daß andere sie haben. Wenn einer sich selbst der Täuschung bezichtigt: wie schwer muß es da sein, hinter dem Spektakel aus Ablenkungsmanövern und falschen Fährten die echte Person zu erkennen. Welche seiner Aussagen ist wahr, welche Selbstinszenierung? Was ist zudem, seit seinem Tod, an Mythenbildung betrieben worden, wie viele Zerrbilder, wie viele Unterschlagungen haben Humboldt am Zeug geflickt? Aus einem Dickicht von Aufzeichnungen, Berichten, Stellungnahmen und Spekulationen hat Hazel Rosenstrauch mit unendlicher Sorgfalt das Sinnfällige geklaubt, das Stimmige und das Widersprüchliche, und es so erhellend zueinander in Beziehung gesetzt, daß wir uns nicht nur eine Vorstellung von Wilhelm von Humboldt machen können, sondern auch - zum erstenmal - von seiner Frau Caroline, von ihrer Ehe, von der Zeit, in der sie gelebt und gewirkt haben. Auf den letzten Zeilen, wie eine Signatur der Künstlerin dieses umfassenden Werks (in dem selbst dem Bedeutungswandel von Worten Rechnung getragen wird und so schöne Ausdrücke wie 'Ehrpusseligkeit' fallen), "blüht ein Rosenstrauch" auf dem Friedhof in Rom, wo zwei Gräber der Familie Humboldt zu finden sind.

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