Henker - Rezensionen

Für Freunde, die es nachlesen wollen, auf Widerruf, weil ich nicht sicher bin, ob ich das darf, erbitte ggf. Belehrung, dann nehm ichs wieder raus:

Edelgard Abendstein:

Töten mit Gefühl


Hazel Rosenstrauch, "Karl Huß, der empfindsame Henker. Eine böhmische Miniatur", Matthes & Seitz, 175 Seiten

Karl Huß versuchte zeitlebens, seinem verfemten gesellschaftlichen Status zu entrinnen. Neben der Scharfrichterei verlegte er sich auf die Medizin. Hazel Rosenstrauch widmet dem "empfindsamen Henker" aus Eger eine rundum überzeugende Biografie.

 

Der Titel ist gut gewählt. Jedenfalls sichert er einer Randfigur der Geschichte, die bisher nie Gegenstand einer Biografie war, die nötige Aufmerksamkeit. Denn wann wäre ein Henker je empfindsam gewesen, wann würde einer, der Menschen in den Tod schickt, bei seinem blutigen Handwerk von feinen Gefühlen geleitet? 

Das ist die steile These von Hazel Rosenstrauch, die sie an Karl Huß (1761-1836), einem der letzten Scharfrichter Böhmens, nach allen Regeln der Kunst entwickelt. In dieser Figur entdeckt die Autorin, die auch eine Biografie über Wilhelm und Caroline von Humboldt verfasst hat, ein weiteres Paradeobjekt für die Epoche um 1800: einen Gegenstand, der jene Umbruchszeit, den radikalen Wandel von Lebensformen und sozialen Schichten, auf einzigartige Weise spiegelt.

Karl Huß, dessen Vater bereits Henker in Eger (Cheb) gewesen ist, versucht zeitlebens, seinem verfemten gesellschaftlichen Status zu entrinnen. Neben der Scharfrichterei verlegt er sich, vor allem nach Abschaffung der Todesstrafe, auf die Medizin. Mit seiner mineralogischen Sammlung beeindruckt er sogar Goethe und Metternich so sehr, dass dieser ihm seine Kollektion abkauft, um ihn auf seine alten Tage zum Kustos in Schloss Königswart zu machen, dem Stammsitz der Metternichs in Böhmen. Der Autodidakt, der Töten, Heilen und wissenschaftliches Interesse zu verbinden weiß, verfasst zudem eine mehrbändige Stadtchronik sowie eine vielbeachtete Schrift gegen den Aberglauben. 

Geschickt verknüpft Rosenstrauch Huß' Lebenslauf mit einem temporeichen Überblick über die Zeit: Knapp skizziert sie die historischen Kontexte - französische Revolution, Napoleonische Kriege, Wiener Kongress, Karlsbader Beschlüsse. So kann sich der Leser an vertrauten Koordinaten orientieren. Den Geist der Zeit nimmt sie mit kleinen Exkursen über Schuld und Strafe etwa ins Visier, über Scharfrichterwesen, Stigmatisierung von Außenseitern oder über die Frage, wie Patriotismus und romantische Liebe als soziale Bindemittel den Verlust alter Orientierungen ausgleichen. 

Die stärksten Kapitel sind diejenigen, in denen das Leben des Staatskanzlers und des Scharfrichters parallel geschaltet werden. Klemens Metternich, nach Napoleons Untergang der mächtigste Mann Europas und der kleine Tötungsbeamte aus Eger - sie passen auf den ersten Blick nicht zusammen; aber wie beide gleichermaßen von den Umbrüchen der Zeit betroffen sind, das stellt die Autorin überzeugend dar. Der eine gewinnt die zuvor nicht mögliche soziale Anerkennung, der andere fürchtet zunächst um seinen Besitz, seine Privilegien, bis er als Staatskanzler jahrzehntelang den Vielvölkerstaat dirigiert. 

Hazel Rosenstrauch recherchiert wie eine Reporterin der Wissenschaft und nimmt die Leser gut gelaunt auf ihre Reisen mit, zu Schauplätzen wie das Bäderdreieck in Tschechien oder zu gebildeten Archivaren in Eger/Cheb. Sie ist belesen wie eine philosophisch denkende Historikerin und schreibt wie eine Feuilletonistin, elegant, urteilsstark, zuweilen angenehm lässig. Lediglich der Aktualisierungsversuch am Ende, mit dem Rosenstrauch ihren Helden als "Ahn für meine deutschen Freunde" profiliert, "für Nachkommen von Stigmatisierten, Henkern und Vertriebenen" wirkt aufgesetzt und läuft seltsam ins Leere.

Weil sie Humor besitzt, mit schnellem Hieb tradierte akademische Meinungen erledigt ("Metternich war keineswegs rückwärtsgewandt, sondern gegenüber Neuerungen durchaus aufgeschlossen […] wenn sie Technik und Naturwissenschaften betrafen"), dann aber wieder selbstkritisch wird, liest man den "empfindsamen Henker" gern und mit Gewinn. 

FR  23.10.2012
Judith von Sternberg

"Von Grausamkeiten halte ich mich fern"
Hazel Rosenstrauch erzählt von dem Scharfrichter, Sammler und
Goethe-Bekannten Karl Huß
Von Judith von Sternburg
Das
ist ein spannender biografischer Essay der österreichischen
Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch über das schillernde
Leben eines Mannes, der alles andere als schillernd sein wollte.
Vernünftig und anständig wollte er sein, als Autodidakt und vor
allem Bürger anerkannt werden, obwohl er nicht als solcher
geboren worden war.
Karl Huß (1761-1838), Sohn eines böhmischen Henkers und damit
selbst für diesen Beruf bestimmt, geriet mitten hinein in die
Aufklärung und den gesellschaftlichen Wandel vom 18. ins 19.
Jahrhundert. Er erlebte die Diskriminierung, der er als von Geburt
an Stigmatisierter ausgesetzt war, aber auch den Aberglauben
seiner Landsleute und die Unantastbarkeit eines Henkers, der
zugleich als Heiler tätig war. "Die Verbindung zwischen Töten und
Heilen leuchtet ein, wenn man bedenkt, dass anatomische
Kenntnisse Voraussetzung für den Beruf waren", schreibt
Rosenstrauch.
Mit 15 Jahren, berichtet er selbst, hat er erstmals einem Menschen
den Kopf mit einem waagerechten Schwerthieb abgeschlagen. Als
1787 in den Ländern der österreichischen Krone die Todesstrafe bis
auf Ausnahmen abgeschafft wird, verliert auch der Scharfrichter
von Eger seine nicht gut bezahlte, aber krisensichere Arbeitsstelle.
1822 führt er noch einmal eine Hinrichtung durch. Rosenstrauch,
eine intensive Archivbenutzerin (die uns durchaus Hinweise gibt, in
welcher Bibliothek und in welchem Regal von links gesehen man
welche Quelle nachlesen kann), hat eine Art Mitschnitt des
Gesprächs zwischen dem Delinquenten und Scharfrichter Huß
aufgetan, in dem sich dieser als braver Mann erweist. "Von
Grausamkeiten halte ich mich fern", sagt der Scharfrichter, "ich
führe meine Pflichten, die mir das Gericht erteilte, durch." Er habe
sich das alles schlimmer vorgestellt, sagt der Delinquent recht froh
und erleichtert. Jahre später muss Huß eine Rückzahlung leisten,
weil er 6 Gulden und 26 Kreuzer zu viel bekommen hat.
Ein Buch über einen Scharfrichter bewegt sich auf einem fremd
gewordenen Terrain. Und doch wird einem vieles vertraut
vorkommen. Nicht nur die Bürokratie, nicht nur die Mischung aus
Abscheu und Neugier, die Huß entgegenschlägt. Es ist vor allem
sein Versuch, ins Bürgertum aufzusteigen, der ihn zur
exemplarischen Figur macht. Eine ausgedehnte Sammlertätigkeit -
Steine und Münzen - prägt sein zweites Leben. Er kommt dadurch
in Kontakt zu Metternich und Goethe, der ihn besucht und seine
Sammlung schätzt, gleichwohl aber den "grellen Contrast mit den
schauerlichen Richtschwertern" nicht übersehen kann, die Huß an
der Wand hängen hat.

Ihm wie uns wie Rosenstrauch bleibt er ein Rätsel. Rosenstrauch
fragt sich - dies nun ganz eine Frage des 20. Jahrhunderts -, wie
ein Mensch das Töten mit Musik- und Tierliebe, mit Vernunft und
Feinsinn zusammenbringt. Ihr nüchternes Fazit: "Er hat nicht
gelitten, weil er Menschen getötet hat, sondern weil er verachtet
wurde."

FAZ Katharina Teutsch: [Faz: file:///media/Data/hazel/Dokumente/projekte/Metternich/HENKERBUCH_LF/Rezensionen/hazel-rosenstrauch-karl-huss-auch-der-scharfrichter-hat-ein-recht-auf-mitgefuehl-11967505.html]

Hazel Rosenstrauch: Karl Huß Auch der Scharfrichter hat ein Recht auf Mitgefühl

23.11.2012 ·  Metternichs Ordner: Hazel Rosenstrauch macht aus dem letzten Henker von Eger eine Scharnierfigur des späten achtzehnten Jahrhunderts.

Bei Foucault lernt man: Aus einer allgemeinen Grammatik entsteht die Philologie; aus der Naturkunde löst sich die Biologie als Wissenschaft von den Organismen. Humanwissenschaften bilden sich heraus und mit ihnen eine Betrachtung der Welt, in deren Zentrum nicht länger ein allmächtiger Gott und eine unverrückbare ständische Ordnung steht, sondern der Mensch selbst - ein um 1800 sozial bereits nicht mehr eindeutig zu klassifizierendes Wesen. In diese Zeit fallen die Lebensdaten des letzten Henkers von Eger - eines Mannes, der als Sensenmann, Sammler, schließlich als sozialer Aufsteiger im ersten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts Karriere machte und für den sich kein geringerer als Goethe während seiner Forschungsreisen in böhmische Geosphären interessierte.

Naturkundler und Gelegenheitspoet

Die Publizistin Hazel Rosenstrauch hat den Henker Karl Huß in einem vorzüglichen Essay zur historischen Scharnierfigur stilisiert, was nicht nur legitim, sondern in Bezug auf die Epoche aufschlussreich ist. Denn Rosenstrauch besitzt die Kühnheit, ihren Helden biographisch mit Europas mächtigstem Restaurationspolitiker zu verknüpfen. Nicht nur, so könnte man verkürzt wiedergeben, stand der von jeder höheren Laufbahn ausgeschlossene Huß am Ende seines Lebens in Diensten des Fürsten Metternich.

Auch wären die Laufbahnen beider Männer ohne die Umwälzungen der Zeit nicht denkbar gewesen. Indem der eine, Metternich, das Ancien Régime wieder herzustellen sucht, gelingt dem anderen, Huß, die Befreiung aus seiner sozialen Kaste. Unter Staatskanzler Metternich muss er kein verfemter Scharfrichter mehr sein, sondern darf als Naturkundler, Chronist der Stadt Eger und Gelegenheitspoet auf gesellschaftliche Anerkennung hoffen. Zwischen Geburt und Tod ihres Protagonisten, zwischen Französischer Revolution und Wiener Kongress, habe nicht nur ein König seinen Kopf verloren, schreibt Rosenstrauch, sondern hätten sich auch die Ansichten über Tod und Strafe verändert. „Damals sind Vorstellungen und Gedanken gekeltert worden, die bis heute in unseren Köpfen spuken.“ Welche Vorstellungen sind das?

Goethes Interesse am „sonderlichen Sammler“

Im Jahr 1776, als Huß im Alter von fünfzehn Jahren zum ersten Mal köpfte, wurde in den Vereinigten Staaten die Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte formuliert. 1787 wird die Todesstrafe in den österreichischen Erblanden nicht mehr mit dem Richtschwert oder am Galgen vollstreckt. Der letzte Henker von Eger wird mit dieser Neuerung arbeitslos und muss sich seinen Lebensunterhalt nun auf „ehrliche“ Weise verdienen. Nicht einfach für einen, der mit ererbter Infama, also „Unehrlichkeit“ zu kämpfen hat und sich dennoch nicht nur aufs Töten, sondern auch aufs Heilen versteht. Steine, Münzen und allerlei Kuriosa hatte Karl Huß im Laufe seines Lebens angehäuft und zudem nützliches Wissen über Pflanzen. Goethe interessierte der „durch Persönlichkeit und Schicksal sonderliche Sammler“.

Gustav Freytag beschrieb das Verhältnis des ungleichen Paares auf einfühlsame Weise: „Gemeinsame Freude an den Gebilden der Kunst und Natur war es, was den größten Dichter der deutschen Nation mit dem Nachrichter von Eger in ein gemütliches Verhältnis brachte.“

Die Vollstreckung von Todesstrafen wurde mit Schiller, Brentano oder Kleist zum literarischen Stoff, woraus Hazel Rosenstrauch schließt: „Wenn der Verbrecher ein Recht auf Mitgefühl hat, kann es auch der Sohn des Scharfrichters beanspruchen.“ Karl Huß pochte auf seinem Recht, nicht als grausamer, sondern als empfindsamer Henker in die Geschichte einzugehen. Was heute über ihn bekannt ist, lässt sich zum größten Teil aus der von ihm verfassten Chronik der Stadt Eger entnehmen. Seine heilkundlichen Kenntnisse wiederum sind dokumentiert in einer Schrift gegen Aberglauben und das Geschäft der Quacksalber - ein Image, das Huß selbst anhaftete und dem er zu entkommen versuchte, indem er sich auf die Seite der Aufklärung stellte.

Als Staatssekretär in Königswart

Hazel Rosenstrauchs Darstellung lässt uns eine soziale Metamorphose nachvollziehen, wie sie für die Epoche neu und aus heutiger Sicht geradezu idealtypisch zu sein scheint. Heinrich von Kleist, der den Weg vom adeligen Leutnant zum bürgerlichen Projektemacher zurücklegte, hielt an sich selbst nur die Unbeständigkeit für beständig. Gerade aristokratische Lebensläufe entwickelten sich seit der Revolution auch auf deutschem Boden zunehmend ins Ungewisse. Andere wiederum vergrößerten ihren sozialen Handlungsspielraum durch die Ausbildung bürgerlicher Tugenden.

Karl Huß war einer von ihnen. 1827 holt Staatskanzler Metternich ihn nach Königswart, um im dortigen Schloss die fürstlichen Sammlungen zu betreuen - wie Huß in der Chronik schreibt als „unermüdlicher Ordner und Bewacher seiner Schätze, bei seinem Fürsten beliebt und hochgeschätzt, aber auch im Volke weithin bekannt durch einige glückliche Kuren als Wunderdoktor, zufrieden mit seinem Schicksale, wenn auch vereinsamt“.

 

NZZ: [file:///media/Data/hazel/Dokumente/projekte/Metternich/HENKERBUCH_LF/Rezensionen/NZZ_29_11_12henker-und-heiler-.html]

Henker und Heiler

uha. ⋅ Karl Huss war der Scharfrichter der böhmischen Stadt Eger (heute in Tschechien liegend). Mit fünfzehn Jahren enthauptet er das erste Mal einen Verurteilten, wie er in seinen Lebenserinnerungen notiert: «1776 traf sich's, dass ein Kirchendieb [. . .] zu Todt verurtheilet wurde, der junge Karl kurzentschlossen mit Muth und Herzhafft, unter der Leitung seines Vaters vollzog die Exekution . . .» Aufhorchen lässt nicht nur der Stolz, mit dem der Erwachsene noch Jahre nach der Abschaffung der Todesstrafe auf habsburgischem Gebiet auf seine berufliche Premiere zurückblickt. Erstaunlich ist auch, dass er überhaupt eine Autobiografie verfasst hat. Als Angehöriger eines sogenannt unehrlichen Berufsstandes zählte er zum Bodensatz der ständischen Gesellschaft. Doch Huss verfasste ferner eine Stadtgeschichte und eine Streitschrift wider den Aberglauben und tat sich als Heilkundiger und Sammler von Antiquitäten und Mineralien hervor. Goethe, ebenfalls passionierter Mineraliensammler, soll Huss mehrmals aufgesucht haben. Zuletzt amtete er gar als Dienstherr des Fürsten Metternich, der den Wiener Kongress dirigiert hatte. – Viel Stoff also für eine Biografie! Die Autorin und Journalistin Hazel Rosenstrauch hat ihn souverän in eine zügig und elegant erzählte «böhmische Miniatur» transponiert, die ein mit persönlichen Reflexionen durchwobenes Bild von Huss und seiner von Umbrüchen erschütterten Zeit entwirft. Irritierend ist einzig die erste Seite, die «statt eines Vorworts» Huss' Bild und den holprig formulierten Wikipedia-Eintrag wiedergibt. Ist diese Ouvertüre als kulturkritischer Hieb auf das Internet gemeint, oder soll sie Huss' digitale Omnipräsenz belegen?

Hazel Rosenstrauch: Karl Huss (1761–1836), der empfindsame Henker. Eine böhmische Miniatur. Matthes & Seitz, Berlin 2012. 175 S., Fr. 28.40.

DeutschlandradioKultur: file:///media/Data/hazel/Dokumente/projekte/Metternich/HENKERBUCH_LF/Rezensionen/T%C3%B6ten%20mit%20Gef%C3%BChl%20-%20Hazel%20Rosenstrauch%20%20Karl%20Hu%C3%9F%20der%20empfindsame%20%20%20Kritik%20%20%20Deutschlandradio%20Kultur.html

Arno Widmann: Vom Nachttisch geräumt: [ file:///media/Data/hazel/Dokumente/projekte/Metternich/HENKERBUCH_LF/Rezensionen/buecher-im-oktober-vom-nachttisch-geraeumt,1472786,20710864.html]

Reine und Unreine

Die Abschaffung der Todesstrafe 1787 wurde in Österreich von entsprechenden Personaleinsparungen begleitet. Der Henker Karl Huß zum Beispiel verlor seinen Job. Wichtiger noch: Er verlor den Schutz der Krone. Das bedeutete, dass er seinen Nebenberuf, den des Heilers, nicht mehr ausüben durfte. Die zünftigen Ärzte, Apotheker und Chirurgen verklagten ihn wegen „Pforscherey“. Karl Huß verstand sich zu wehren, hatte Glück, wurde an anderer Stelle wieder eingesetzt und war zehn Jahre später damit beschäftigt, eine Chronik der Stadt Eger zu schreiben. In sie flocht er seine Autobiographie ein. Eines der fesselndsten Zeugnisse eines der einst verachtetsten Mitglieder der Gesellschaft des Alten Reiches. In manchen Landstrichen mussten Henker in Gaststätten an Extra-Tischen sitzen und mit Extra-Geschirr bewirtet werden. Die Institution der  Unreinen war keine indische Spezialität. Es gab sie mitten im aufgeklärten Europa. Hazel Rosenstrauch ist der Lebensgeschichte des Karl Huß (1761-1836) nachgegangen. Eine Aufstiegsgeschichte. Vom henkenden Henkerssohn zum Kustos der Fürst Metternichschen Sammlungen auf Schloss Königswart. Ein Blick auf die große Zeitenwende der Französischen Revolution, der Napoleonischen Herrschaft über Europa und die Jahre der Restauration. Ein Panorama betrachtet durch die Augen eines Außenseiters.


Perlentaucher:
Hazel Rosenstrauch: Karl Huß, der empfindsame Henker. Eine böhmische Miniatur
Die Berliner Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch hat bereits öfter ihr Augenmerk auf den Epochenumbruch um 1800 geworfen, in biografischen Essays zu Karl August Varnhagen oder Caroline und Wilhelm von Humboldt. Nun erkundet sie den Wandel von Lebensformen und sozialer Schichtung am Beispiel des Scharfrichters von Eger, Karl Huß. Huß, bereits als Sohn eines Henkers geboren, versuchte Zeit seines Lebens, der sozialen Ächtung zu entkommen und errang schließlich als Sammler von Mineralien, Naturheiler und Poet so viel Ansehen, dass Metternich ihn zum Kustos seiner fürstlichen Sammlungen machte. In der FAZ besprach Katharina Teutsch Rosenstrauchs Buch sehr beeindruckt. Im Deutschlandradio Kultur lobte Edelgard Abenstein die Autorin in höchsten Tönen: "Sie ist belesen wie eine philosophisch denkende Historikerin und schreibt wie eine Feuilletonistin, elegant, urteilsstark, zuweilen angenehm lässig."

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